Wie Innovationen im Klimaschutz das Ruhrgebiet voranbringen ‎können

Wie sich das Ruhrgebiet in Richtung Klimaneutralität entwickeln kann, darüber ‎haben am Dienstag, 9. Dezember, Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft ‎und Verwaltung in der Mülheimer Bistumsakademie ‎‎„Die Wolfsburg“ diskutiert. Bei der Jahresveranstaltung des Rates für Ökologie ‎und Nachhaltigkeit im Bistum Essen ging es unter dem Titel „Grün-Blaue ‎Erfolgsstorys – Wie Klimaschutz die Ruhrregion durch Innovationen voranbringt“ ‎auch um Erfolgsgeschichten aus der Region und um Zukunftspotentiale für die ‎kommende Generation.‎

Nach Einschätzung von Ralf Düssel, verantwortlich für das Nachhaltigkeitsmanagement beim Essener Chemiekonzern Evonik, ermöglicht die hohe Unternehmens- und Forschungsdichte im Ruhrgebiet enge Kooperationen und damit schnelle Innovationsprozesse. Das sagte Düssel am Dienstag bei der als Fachtagung konzipierten Jahresveranstaltung des Rates für Ökologie und Nachhaltigkeit des Bischofs von Essen in der Bistumsakademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim. Nachhaltigkeit sei dabei längst kein technisches Thema: Faire Arbeitsbedingungen und soziale Standards seien fester Bestandteil unternehmerischer Verantwortung.

Mit Blick auf die aktuelle politische Diskussion über ein mögliches Verbot der sogenannten Ewigkeitschemikalie PFAS warnte Düssel vor pauschalen Regelungen und einem Generalverbot. Viele Stoffe dieser Chemikaliengruppe seien beispielsweise in Dichtungen und Pumpen für Industrieanlagen unverzichtbar. Zugleich führte Düssel am Beispiel der Wiederverwertung von Matratzen und anhand von CO2-Recyclingprojekten aus, wie sein Unternehmen Kreislaufprozesse zur Ressourcenschonung nutzt.

Nordrhein-Westfalen als Hotspot der internationalen Kreislaufwirtschaft

Nordrhein-Westfalen als Hotspot der internationalen Kreislaufwirtschaft

Enormes Potenzial attestierte auch Ratsmitglied und Gründer der Initiative „Circular Valley“ Carsten Gerhardt dem Ruhrgebiet. Mehr als 300 Weltmarkführer und rund 70 Forschungseinrichtungen, darunter sechs Max-Planck-Institute und zwölf Fraunhofer-Institute, bildeten die Grundlage für eine internationale Kreislaufwirtschaft, in der Reparieren, Wiederverwenden und Recyclen eine tragende Rolle spielten.

Mit dem von ihm initiierten Großformat „Circular Valley Convention“ will Gerhardt NRW als global sichtbare Drehscheibe und als Hotspot der internationalen Kreislaufwirtschaft etablieren – auch um Europas Abhängigkeit von den USA und China zu verringern. „Das Know-how und die Infrastruktur für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft ist in der Rhein-Ruhr-Region vorbildhaft vorhanden“, sagte Gerhardt. 

Das Ruhrgebiet ist schon heute überraschend grün

Das Ruhrgebiet sei grüner, als viele denken, sagte die Umweltdezernentin des Regionalverbands Ruhr (RVR), Nina Frense. Mit seinen vielen Grünzügen verfüge es über einen Grün- und Freiflächenanteil von 61 Prozent, und der RVR sei mit 16.000 Hektar Wald der größte kommunale Waldbesitzer Deutschlands. Christina Zollmarsch, verantwortlich für den Bereich Grüne Technologie bei der Business Metropole Ruhr, ergänzte: „28,5 Prozente aller Patente in Nordrhein-Westfalen kommen aus der Region.“ In der Grünen Industrie arbeiteten schon heute mehr als 160.000 Menschen, die eine jährliche Bruttowertschöpfung von rund 14 Milliarden Euro erwirtschafteten.

Besonders bei Photovoltaik sehen Frense und Zollmarsch großes Potenzial. Nach Schätzungen könnten Dachflächen, Parkplätze und andere ungenutzte Areale im Ruhrgebiet genug Solarstrom liefern, um acht Millionen Haushalte zu versorgen – angesichts der Endlichkeit fossiler Energieträger von großer Bedeutung. Gerhardt wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass die Installationskapazitäten zwar vorhanden seien, der Großteil der Komponenten jedoch weiterhin aus China komme. Ein nachhaltiger Ausbau der Photovoltaikinfrastruktur brauche daher Investitionen in Energiespeicher und eine solidere europäische Lieferkette.

Die Fachtagung machte deutlich: Das Ruhrgebiet besitzt nicht nur industrielle Erfahrung und eine starke Forschungslandschaft, sondern auch die Innovationskraft, zu einer Schlüsselregion im Klimaschutz zu werden. Kreislaufwirtschaft, Grüne Technologien und Erneuerbare Energien könnten in den kommenden Jahren zu tragenden Säulen einer ökologisch und wirtschaftlich starken Metropole Ruhr werden.

Klimawissen für die nächste Generation

Ein Schülerlabor zur Kreislaufwirtschaft, das „GreenLab_OS“, stellten die Doktoranden der Chemie-Didaktik an der Universität Osnabrück, Sascha Hager und Sabrina Janßen, vor. In anwendungsbezogenen Experimenten konnten vor allem die jugendlichen Teilnehmenden der Fachtagung Verfahren aus der Kreislaufwirtschaft eigenständig testen. Darüber hinaus können Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 13 im GreenLab-Schülerlabor unter wissenschaftlicher Anleitung experimentell etwa lernen, was die Ursachen und Folgen des Klimawandels sind, welche spannenden Tätigkeiten in einem Chemielabor passieren, wie man Freiflächen nachhaltig nutzen kann, was es mit der Nanochemie auf sich hat und wie Abgase unsere Erdatmosphäre und Plastikmüll unser Ökosystem belasten.

Text: Thomas Emons und Maria Kindler | Die Wolfsburg

Foto: Christian Schnaubelt | Bistum Essen

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