ExtraSchicht 2026: Wie die Wolfsburg zur Bühne für Kultur und Begegnung wurde
Es begann mit Bewegung. Menschen kamen die Wege hinauf, blieben auf der Terrasse stehen, öffneten Türen, betraten Flure, Kirchenraum, Kaminzimmer und Bunker. Stimmen mischten sich mit Musik, Licht fiel auf Mauern und Bäume, Besucherinnen und Besucher ließen sich durch einen Ort treiben, den viele an diesem Abend neu entdeckten.
Bei der ExtraSchicht 2026 zeigte sich die Wolfsburg in Mülheim an der Ruhr von einer besonders lebendigen Seite. Die Katholische Akademie und das Tagungshaus des Bistums Essen wurden für eine Nacht zu einem offenen Erlebnisort: mit Kultur und Begegnung, Musik und Kunst, Natur und Architektur, Leichtigkeit und Tiefgang.
Rund 1000 Besucherinnen und Besucher kamen am 27. Juni 2026 im Laufe des Abends zur Wolfsburg. Damit wurde der Mülheimer Spielort zu einem lebendigen Teil der Nacht der Industriekultur und zugleich zu einem Ort, an dem spürbar wurde, wie viel Atmosphäre, Geschichte und Gegenwart in diesem Haus zusammenkommen.
Die Wolfsburg als offener Ort
Im Alltag ist die Wolfsburg ein Ort für Bildung, Tagungen, Debatte, geistliche Reflexion und gesellschaftliche Fragen. Zur ExtraSchicht trat eine andere Seite hinzu: Das Haus wurde durchlässiger, bewegter, öffentlicher. Menschen warteten vor Führungen, hörten Musik auf der Terrasse, entdeckten Kunst, suchten den Blick ins Grüne oder kamen miteinander ins Gespräch.
Gerade diese Offenheit prägte den Abend. Die Wolfsburg musste nicht erklärt werden – sie wurde erlebt. Ihre Lage hoch über der Ruhr, die Nähe zum Wald, die markante Architektur und die besonderen Räume verbanden sich mit dem Programm zu einer eigenen Atmosphäre. Besonders groß war der Andrang bei den Führungen durch die Wolfsburg inklusive Besuch des Bunkers. Viele Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, sonst verborgene Orte des Hauses kennenzulernen und die Wolfsburg aus einer ungewohnten Perspektive zu erleben.
Zwischen Lachen, Klang und stilleren Momenten
Der Abend lebte von Kontrasten. Im Auditorium sorgte Hennes Bender für pointierte Unterhaltung. In der AkademieKirche begleiteten Orgelimprovisationen zu Stummfilmen die besondere Stimmung des Raumes. Im Kaminzimmer entstanden bei den Lesungen mit Generalvikar Klaus Pfeffer ruhigere Momente zwischen Wort, Gespräch und Genuss.
Auch die Wolfsburg selbst wurde zum Programmpunkt. Führungen durch das Haus inklusive Besuch des Bunkers öffneten verborgene Räume und unbekannte Perspektiven. Waldführungen lenkten den Blick auf die Natur rund um das Haus. In der Ausstellung „Zwischen Stahl und Grün“ konnten Besucherinnen und Besucher Arbeiten des Fotografen Siegfried Dammrath entdecken und dem Zusammenspiel von Industriekultur, Landschaft und Wandel im Ruhrgebiet nachgehen.
Auf der Terrasse und im Außengelände entstand unterdessen ein lebendiger Treffpunkt. Musik, Walking Acts, Streetart-Bodengestaltung, der Kreativworkshop mit dem Farbtier aus Mülheim an der Ruhr und der Spielezirkus für Kinder machten den Abend auch für Familien zugänglich und abwechslungsreich.





Viele Wege in einen Ort
Nicht alle Gäste kamen aus demselben Grund. Manche wollten ein bestimmtes Programm erleben, andere ließen sich treiben. Einige kannten die Wolfsburg bereits, andere betraten das Haus zum ersten Mal. Gerade darin lag eine besondere Qualität des Abends: Die ExtraSchicht eröffnete viele unterschiedliche Zugänge zu einem Ort, der für sehr verschiedene Menschen anschlussfähig wurde.
Für Familien bot das Gelände Raum zum Mitmachen und Entdecken. Kulturinteressierte fanden Musik, Wort, Kunst und besondere Räume. Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer erlebten eine sommerliche Atmosphäre über der Ruhr. Menschen aus Mülheim und der Region konnten die Wolfsburg als offenen Ort neu kennenlernen.
Eine Besucherin beschreibt den Abend so: „Wir wollten eigentlich nur kurz vorbeischauen und sind dann viel länger geblieben als geplant. Für meinen Sohn gab es auf dem Gelände viel zu entdecken und ich war überrascht, wie schön die Atmosphäre auf der Terrasse war“, sagt Vera, die mit ihrem achtjährigen Sohn zur ExtraSchicht in die Wolfsburg gekommen war.
Warum solche Abende nachwirken
Eine Nacht wie diese wirkt über einzelne Programmpunkte hinaus. Wenn Menschen ein Haus betreten, das sie bisher nur vom Namen kannten, wenn sie hinter Türen schauen, Fragen stellen, auf einer Terrasse verweilen oder in einem Raum plötzlich eine besondere Stimmung erleben, entsteht mehr als Besucherverkehr. Es entsteht Beziehung zu einem Ort.
Für die Wolfsburg ist das bedeutsam. Sie versteht sich nicht allein als Tagungs- und Akademiehaus, sondern als Ort für Bildung, Begegnung, Glauben, Kultur und gesellschaftliche Verständigung. Die ExtraSchicht machte diese Aufgabe sinnlich erfahrbar: durch offene Türen, durch Vielfalt, durch Begegnungen und durch einen Abend, an dem sehr unterschiedliche Menschen zusammenkamen.
„Mich hat beeindruckt, mit welcher Offenheit viele Menschen die Wolfsburg an diesem Abend für sich entdeckt haben: auf der Terrasse, in den Führungen, in Gesprächen, beim Zuhören und beim Erkunden. Genau solche Abende zeigen, wie viele Zugänge dieser Ort eröffnet“, sagt Dr. Judith Wolf, Leitung der Akademie.
Ein Abend, der bleibt
Was von dieser Nacht bleibt, sind nicht nur Zahlen und Programmpunkte. Es bleiben Eindrücke: die beleuchtete Wolfsburg, Menschen auf den Wegen, Musik im Sommerabend, Gespräche im Freien, konzentrierte Momente in den Innenräumen und neugierige Fragen bei den Führungen.
Die Wolfsburg hat sich bei der ExtraSchicht 2026 als Ort gezeigt, der unterschiedliche Menschen ansprechen kann: Familien, Kulturinteressierte, Nachtschwärmerinnen und Nachtschwärmer, Menschen aus Mülheim und aus der Region. Sie alle konnten erleben, dass die Wolfsburg mehr ist als ein Tagungs- und Akademiehaus.
Vielleicht ist das die schönste Bilanz dieser Nacht: Die Wolfsburg wurde nicht nur besucht. Sie wurde entdeckt.






Bildnachweis: Achim Pohl
