Dietrich Bonhoeffer: Vorbild und Hoffnungsspender in unsicheren Zeiten
Dietrich Bonhoeffers Haltung inspiriert auch heute. Journalist Uwe Schulz zeigt, wie der Theologe Orientierung und Hoffnung in Krisenzeiten gibt – und warum Bonhoeffers Botschaft 2025 aktueller denn je ist. Im Interview mit Wolfsburg-Dozent Jens Oboth spricht Schulz über seine neue Bonhoeffer-Biographie „Keine Angst vor dem Leben“.
Angesichts wachsender Unsicherheiten in Politik und Gesellschaft ist der vor 80 Jahren hingerichtete evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer für den Journalisten und WDR-Moderator Uwe Schulz ein wichtiger Kompass für Gegenwart und Zukunft – und ein Botschafter der Hoffnung. Bonhoeffer sei für ihn wie ein Seelsorger, der passende Worte für persönliche Krisen finde und dabei authentischen Glauben vorlebe, sagt Schulz im Interview mit Wolfsburg-Dozent Jens Oboth in der aktuellen Ausgabe „Akzente“ der Bistumsakademie.
Die Hoffnung sei Bonhoeffer „offenkundig bis zu seinem gewaltsamen Tod nicht abhandengekommen“, sagt Schulz mit Verweis auf Bonhoeffers Hinrichtung durch die Nationalsozialisten am 9. April 1945 – „und das angesichts von Veränderungen, die wir für uns heute beschreiben mit Begriffen wie Disruption, Transformation, Zeitenwende“. Das Leben des Theologen sei „ein einziger Ausdruck des Glaubens, dass diese Welt gleichzeitig todgeweiht ist wie der leidende Christus und eine unendliche Lebens-Perspektive hat wie der Auferstandene. Und dass das pralle menschliche Leben vom ersten bis zum letzten Atemzug individuell so wertvoll ist, dass es der Schöpfer selbst gelebt hat“, so Schulz.
Uwe Schulz: „Dietrich ist so 2025!“
Auf die Formel „Dietrich ist so 2025!“ hat Schulz in seinen Social-Media-Kanälen die Hoffnung spendende Gegenwartstauglichkeit des vor fast 120 Jahren geborenen Theologen gebracht. Gleichzeitig beschreibt der Journalist, wie zeitgenössische Kräfte von rechtsradikal (Björn Höcke), populistisch (Donald Trump) oder evangelikal bis zur linken Klimaschutz-Bewegung versuchen, Bonhoeffer für sich zu vereinnahmen – häufig mit „Zitate-Häppchen“, denen der nötige Kontext fehle.
Mit seinem jüngsten Bonhoeffer-Buch „Keine Angst vor dem Leben“ richtet sich Schulz insbesondere an jüngere Menschen. Bonhoeffer sei hochaktuell mit seiner Erkenntnis, „dass die meisten von uns doch mit einer Wirklichkeit konfrontiert sind, in der Gott gar keine Rolle zu spielen scheint. Den Schöpfer und Erlöser und Erneuerer aller Dinge in genau dieser Wirklichkeit wirken zu sehen und dabei nicht an Elend und Leid und Tod und Schuld zu zerbrechen, das ist Bonhoeffers Neuentdeckung der Bibel“, betont Schulz. Ein zentrales Motiv seines Buches sei die Ansprache Gottes im Alltag – zum Beispiel in Bonhoeffers Predigt 1934 vor Berliner Arbeiterkindern, aus der Schulz auch den Buch-Titel abgeleitet hat. Bonhoeffer hebe zugleich die Verantwortung und Gottes Gegenwart hervor: „Mut zum Leben“ – selbst unter extremen gesellschaftlichen und persönlichen Spannungen – sei eine seiner Kernbotschaften.
Und auch für Christinnen und Christen, die heute vielerorts in einer gesellschaftlichen Minderheit leben, habe Bonhoeffer eine wegweisende Botschaft: „Unser Christsein wird heute nur in zweierlei bestehen: im Beten und im Tun des Gerechten unter den Menschen“, zitiert Schulz und betont. „Mein Eindruck ist, dass nur eine christliche Minderheit beides gleich intensiv tut.“
Podiumsdiskussion mit Uwe Schulz am 12. November in Essen
Am Mittwoch, 12. November, diskutiert Wolfsburg-Dozent Jens Oboth von 19 bis 21 Uhr in der Essener Marktkirche mit Uwe Schulz, Generalvikar Klaus Pfeffer, der Essener Superintendentin Marion Greve und dem Vorstandssprecher der Bank im Bistum Essen, Peter Güllmann, über die Bedeutung Dietrich Bonhoeffers für die Gegenwart. Der Eintritt ist frei, das Organisationteam bittet jedoch um eine Anmeldung per E-Mail oder telefonisch unter 0208/99919-981.
Text: Thomas Rünker | Bistum Essen
Foto: Gütersloher Verlagshaus
