Kursangebote
Aktuelles

Sommerempfang des Bischofs: Schwere Fragen an einem idyllischen Abend

„Keine Illusionen angesichts des Ukraine-Krieges“ fordern Bischof Franz-Josef Overbeck und die frühere Bundesverteidigungsministerin und Bundesvorsitzende der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer.

Der Jahresempfang des Bischofs von Essen war wegen Corona von der Zeit nach Neujahr auf Juni verlegt worden. „Bischof bricht Traditionen“, sagte Generalvikar Pfeffer mit einem Augenzwinkern.

Dass der traditionelle Jahresempfang des Bischofs von Essen in diesem Jahr von Januar in den Sommer verschoben wurde, war zwar der Pandemie geschuldet. „Aber unser Bischof ist nicht zögerlich, Traditionen zu brechen und Veränderungen voranzutreiben“, sagte Generalvikar Klaus Pfeffer zu Beginn des warmen Sommerabends (23. Juni), der mit einem Gespräch über die „Zeitenwende in Europa“ zwischen Bischof Franz-Josef Overbeck, der früheren Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Akademiedirektorin Judith Wolf begann und mit entspannten Gesprächen der rund 200 Gäste in der lauen Abendluft vor der idyllisch gelegenen Bistumsakademie Die Wolfsburg in Mülheim-Speldorf fortgesetzt wurde.

Bischof Overbeck: „So geht Christsein nicht.“

Auch wenn sie selbst an dieser Stelle keine Verantwortung mehr trägt: Angesichts des Ukraine-Krieges lässt Kramp-Karrenbauer die schwere Aufgabe ihrer Nachfolgerin als Bundesverteidigungsministerin nicht kalt. „Wie gehen wir mit Europa um, mit unserer Energieversorgung, mit den autoritären Tendenzen Chinas?“, fragte sie und erinnerte an die „Zeitenwende“, die Bischof Franz-Josef Overbeck in seinem Neujahrswort 2018/19 bereits klar benannt hatte. „Die alte Zeit ist zu Ende“, schrieb er damals. Nun sagte er: „Zeitenwende ist im positiven Sinne das Ergebnis von Krise.“ Der Beitrag der Christen zur Zeitenwende seien „Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden“. Das, so der Bischof, sei derzeit allerdings ein ökumenisches Problem angesichts der Positionierung  des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. zur Eskalation in der Ukraine. „So geht Christsein nicht“, sagte Overbeck.

Wer übernimmt die moralische Verantwortung für den Einsatz von Waffen?

Kramp-Karrenbauer und Overbeck waren sich einig darin, dass man die Illusion aufgeben muss, nach dem Zusammenbruch des Kommunismus werde sich die ganze Welt auf das demokratische Modell des Westens verständigen – auch wenn damit die westeuropäische Friedensethik fundamental in Frage gestellt werde und vielen Menschen „das Weltbild abhanden gekommen ist“, so Kramp-Karrenbauer: „Europa muss stärker werden. Und Deutschland ist zu stark, um militärisch eine so kleine Rolle zu spielen.“ Das sei ein Dilemma, so die frühere Bundesverteidigungsministerin. Die Fragen sind längst noch nicht beantwortet, zum Beispiel die Frage des deutschen Militärbischofs Overbeck: „Wer übernimmt die ethische Verantwortung für das, was mit den Waffen passiert? Auch da stehen wir in einer Zeitenwende.“

Zum Empfang des Bischofs waren auch Schülerinnen und Schüler eingeladen, die sich in den vorausgegangenen Tagen im Rahmen der Sommerakademie der Wolfsburg mit gesellschaftlichen Zukunftsfragen beschäftigt hatten. Viele Ruhrgebiets-Promis waren anwesend – Kramp-Karrenbauer suchte jedoch in erster Linie das Gespräch mit dem Nachwuchs.

Drei Perspektiven für eine gerechte Gesellschaft spricht Bischof Franz-Josef Overbeck immer wieder an:

  • Familie ist eine gesamtgesellschaftliche Kernaufgabe. Wenn sie nicht durch Blutsverwandschaft gegeben ist, muss man andere stabile Formen des Zusammenlebens finden.
  • Durch Arbeit muss der Mensch das verdienen können, was er zum Leben braucht.
  • Bildung macht resilient (widerstandsfähig) und legt die Grundlage dafür, über den eigenen Horizont hinauszuschauen und das eigene Leben selbstverantwortlich zu gestalten.

Das Video zum Sommerempfang finden Sie hier!

Text: Cordula Spangenberg | Bistum Essen

Fotos: Nicole Cronauge | Bistum Essen

 

Zurück