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Heinrich-Brauns-Preis für IG BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis

Bistum Essen würdigt Vassiliadis für sein sozialpolitisches Engagement und seine Verdienste um das Gemeinwohl.

Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, ist mit dem Heinrich-Brauns-Preis des Bistums Essen ausgezeichnet worden. „Durch sein Wirken macht er deutlich, dass große Gegenwarts- und Zukunftsthemen in europäischer, ja globaler Verbundenheit gestaltet werden müssen“, sagte Bischof Franz-Josef Overbeck am Samstag bei der Preisverleihung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim an der Ruhr.

Indem sich Vassiliadis diesen Fragen stelle, greife er auch zwei global bedeutsame Perspektiven der christlichen Gesellschaftslehre auf: globale Verantwortung und die Bewahrung der Schöpfung. „Durch sein Handeln, das sich einem Bild vom Menschen als sozialer Person verpflichtet weiß, lässt er das Kernanliegen von Heinrich Brauns heute praktisch werden“, sagte Overbeck.

Der Heinrich-Brauns-Preis gilt der christlich-sozialen Bewegung

Mit dem 1978 vom ersten Essener Bischof, Franz Hengsbach, gestifteten Preis ehrt das Ruhrbistum Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise im Geiste des Priesters und Sozialpolitikers Heinrich Brauns um die Katholische Soziallehre und die christlich-soziale Bewegung verdient gemacht haben. Der Heinrich-Brauns-Preis ist mit 10 000 Euro dotiert.

Heinrich Brauns sei „kein Verwalter“ gewesen, sondern „ein Gestalter in Zeiten des Umbruchs“, sagte Akademiedirektorin Judith Wolf in ihrem Grußwort. Er trieb „beharrlich und mit einem Kurs der Mitte die Integration der Arbeiter in die Gesellschafts- und Staatsordnung" voran, so Wolf. „Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und dem Ausbau des Arbeitsrechts galt seine oberste Priorität.“ Über die inflationsbedingten Krisenjahre der Weimarer Republik hinweg habe er die Sozialversicherung verteidigt.

Immer noch geht es um Solidarität zwischen Verlierern und Gewinnern

Die Laudatio hielt die ehemalige Gewerkschafterin im DGB-Bundesvorstand und frühere saarländische Arbeits- und Sozialministerin Regina Görner (CDU). Sein Leben als Gewerkschafter habe eines von Anfang an begleitet: „Immer noch geht es darum, Solidarität zu stiften zwischen denen, die besser wegkommen können als andere, zwischen den Modernisierungsverlierern und Modernisierungsgewinnern, und neuerdings auch zwischen den Bewohner:innen der analogen und digitalisierten Welt“, sagte Görner.

Die Gewerkschaftsbewegung könne sich leider nicht darauf verlassen, „dass Solidarität zur Natur des Menschen gehört, wie das die christliche Soziallehre betont: Wir müssen dafür sorgen, dass diese Natur überhaupt erst zum Wirken gebracht wird“, unterstrich Görner. Sie bedauerte, dass in der christlichen Gesellschaftslehre die Arbeit an innovativen Unternehmensverfassungen und Mitbestimmungsrechten zum Erliegen gekommen sei.

Das Motto Heinrich Brauns – „Wir sind auf der Welt, nicht bloß um die Dinge zu ertragen, sondern um sie zu gestalten.“ – passe daher so gut zu Vassiliadis, sagte Görner, „auch wenn du kein Christlich-Sozialer bist, sondern ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat.“ „Aber du bist Einheitsgewerkschafter, und deshalb ging es für Dich immer darum, die Welt zu gestalten.“

Das Preisgeld gibt Vassiliadis an soziale Vereine im Ruhrgebiet

Vassiliadis, der auch Präsident des europäischen Verbunds der Industriegewerkschaften IndustriAll Europe ist, hatte bereits nach der Zuerkennung der Auszeichnung angekündigt, das Preisgeld spenden zu wollen. Das Geld soll zu gleichen Teilen zwei Vereinen im Ruhrgebiet zu Gute kommen, dem Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet und dem Verein Paten für Arbeit in Essen.

Zu den Preisträgern gehören unter anderem der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU), der polnische Politiker Wladyslaw Bartoszewski, der ehemalige Premierminister Luxemburgs und Ex-Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

INFO: Heinrich Brauns
Mit dem Heinrich-Brauns-Preis erinnert das Bistum Essen an den Priester und Sozialpolitiker Heinrich Brauns (1863-1939). Er war zunächst Seelsorger in Essen-Borbeck und engagierte sich später als Reichsarbeitsminister (1920-1928) der Weimarer Republik für die deutsche Sozialpolitik.

 

HINTERGRUND: Vereine

  • Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet e. V.: Den Verein gibt es seit den 1970er Jahren. Er betreibt im Ruhrgebiet mittlerweile 25 Kinderhäuser, ein Mehrgenerationenwohnen, einen Kinder- und Jugendclub, zwei Jugendcafés und eine Familienbildungsstätte.
  • Paten für Arbeit in Essen e.V.: Ehrenamtliche unterstützen Jugendliche beim Übergang von der Schule in eine Ausbildung.

 

Text: Maria Kindler | Die Wolfsburg

Fotos: Oliver Müller | Bistum Essen

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