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Digitale Fachtagung zu antimuslimischem Rassismus

Der gegen Musliminnen und Muslime gerichtete Rassismus stand am Mittwoch, 17. März 2021, im Fokus einer digitalen Fachtagung der „Wolfsburg“. Die katholische Akademie hatte dazu zusammen mit dem Arbeitskreis Interreligiöser Dialog im Bistum Essen eingeladen.

Antimuslimischer Rassismus ist nach Angaben von Rassismusforscher Karim Fereidooni eine gesamtgesellschaftliche Tatsache und längst kein Problem nur bestimmter gesellschaftlicher Schichten mehr. „Antimuslimischer Rassismus ist salonfähig in der Mitte der Gesellschaft geworden“, sagte der Juniorprofessor für Didaktik der sozialwissenschaftlichen Bildung an der Ruhr-Universität Bochum. Die Annahme, Rassismus gebe es nur am rechten Rand der Gesellschaft und bei ungebildeten Menschen, treffe nicht zu.

Fereidooni sprach am Mittwoch, 17. März, bei der digitalen Fachtagung „Antimuslimischer Rassismus – Akteure, Netzwerke, Feindbilder, Gegenstrategien“ der „Wolfsburg“ und des Arbeitskreises Interreligiöser Dialog im Bistum Essen. Unter den knapp 40 Teilnehmenden der von Akademiedozent Dr. Jens Oboth sowie von Dr. Detlef Schneider-Stengel vom Arbeitskreis Interreligiöser Dialog im Bistum Essen moderierten Fachtagung waren vor allem Lehrerinnen und Lehrer, Mitarbeitende von Polizei, aus dem Sozial- und dem Bildungsbereich, aus kirchlichen Institutionen sowie von Initiativen, die sich gegen Rassismus einsetzen.

„Antimuslimischer Rassismus ist in erster Linie eine Phantasie, eine Lüge, ein Gerücht über Muslime in den Köpfen nicht-muslimischer Menschen“, sagte Fereidooni, der auch Berater im Unabhängigen Expert*innenkreis Muslimfeindlichkeit des Bundesinnenministeriums ist. Diese Fantasie besäße die Kraft, bestimmten Menschen deren Existenz- und Teilhabeberechtigung in der Gesellschaft abzusprechen.

Fereidooni, der an der Ruhr-Universität auch angehende Politiklehrerinnen und Politiklehrer ausbildet, zitierte aus zu Forschungszwecken geführten Interviews etwa mit Jugendlichen und in Lehrerzimmern. So beschrieben nicht-muslimische Jugendliche muslimische Männer als „nicht vertrauenswürdig“ und „aggressiv“. Muslimische Frauen wurden „als in ihren persönlichen Freiheiten eingeschränkt“ und, wenn sie Kopftuch tragen, als „Opfer ihrer Religion“ wahrgenommen, berichtete Fereidooni. Unter Lehrenden zeige sich antimuslimischer Rassismus beispielsweise im Absprechen fachlicher Kompetenz durch Kollegen und Vorgesetzte.

Rassismus brauche immer eine Machtstruktur, betonte Fereidooni. „Überall auf der Welt ist Weißsein die Norm.“ Das sei uns Jahrhunderte um Jahrhunderte so beigebracht worden. Daher sei es wichtig, sich immer wieder mit den eigenen, auch unbewussten rassistischen Denkmustern auseinanderzusetzen. „Und das nicht nur, um Betroffenen zu helfen, sondern in erster Linie, um sich selbst zu verstehen“, sagte Fereidooni.

Was antimuslimischem Rassismus entgegengesetzt werden kann, war Inhalt der zweiten Hälfte der Tagung. Désirée Galert vom Verein „Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus“ und Orgun Özcan vom Kölner Verband „FAIR international – Federation against Injustice and Racism“ berichteten von ihrer Präventionsarbeit.

Die Religionswissenschaftlerin der Universität Frankfurt am Main Prof. Dr. Anja Middelbeck-Varwick sowie die muslimische Theologin Dr. Hamideh Mohagheghi von der Universität Paderborn referierten zu antimuslimischen Ressentiments in den christlichen Kirchen. Beide sind Mitverfasserinnen des Positionspapiers „Nein zu Hass und Hetze. Christen und Muslime gemeinsam gegen Islamfeindlichkeit“ des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken (ZdK). Ihr Plädoyer: Nur Dialog und Begegnung zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen können dem Grassieren antimuslimischer Ressentiments Einhalt gebieten.

Text: Maria Kindler | Die Wolfsburg

Bild: Stefan Härtel | imago-images.de

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